Was kann man von der Steuer absetzen? Diese Kosten vergessen viele

Was kann man von der Steuer absetzen – Steuerunterlagen, Rechner und Checkliste auf einem Schreibtisch

Viele machen ihre Steuererklärung schnell nebenbei und verschenken dabei bares Geld. Nicht, weil sie etwas falsch machen wollen, sondern weil sie bestimmte Kosten schlicht nicht auf dem Schirm haben.

Die Frage „Was kann man von der Steuer absetzen?“ lohnt sich deshalb jedes Jahr neu. Denn viele Ausgaben aus Beruf, Haushalt, Familie, Gesundheit und Vorsorge können steuerlich relevant sein.

Wichtig ist aber: Nicht jeder Punkt passt zu jedem Fall. Manche Kosten wirken sich nur aus, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Andere werden nur anteilig berücksichtigt. Und bei manchen Ausgaben brauchst du saubere Nachweise.

Dieser Artikel gibt dir eine einfache Übersicht, welche Kosten du bei deiner Steuererklärung prüfen solltest.


Kurz erklärt: Was bedeutet „von der Steuer absetzen“?

Wenn du etwas von der Steuer absetzen kannst, bedeutet das meistens: Bestimmte Ausgaben werden bei der Steuer berücksichtigt und können deine Steuerlast senken.

Dabei gibt es unterschiedliche Gruppen:

  • Werbungskosten
  • Sonderausgaben
  • außergewöhnliche Belastungen
  • haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Handwerkerleistungen
  • Kinderbetreuungskosten
  • Vorsorgeaufwendungen

Nicht jede Ausgabe bringt automatisch eine Rückerstattung. Aber viele Kosten sollten zumindest geprüft werden.


1. Werbungskosten: Diese beruflichen Kosten werden oft vergessen

Werbungskosten sind Ausgaben, die mit deinem Beruf zusammenhängen. Arbeitnehmer bekommen zwar automatisch einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag berücksichtigt, aber wenn deine tatsächlichen Kosten höher sind, kann sich das Sammeln lohnen. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegt laut Lohnsteuer-Hinweisen bei 1.230 Euro.

Typische Werbungskosten sind:

  • Fahrtkosten zur Arbeit
  • Arbeitsmittel
  • Fortbildungen
  • Bewerbungskosten
  • Fachliteratur
  • Reisekosten
  • beruflich genutzte Telefon- und Internetkosten
  • Arbeitszimmer oder Homeoffice-Pauschale

Gerade hier wird oft Geld liegen gelassen, weil kleine Beträge über das Jahr verteilt kaum auffallen.


2. Fahrtkosten zur Arbeit: Pendlerpauschale prüfen

Viele Arbeitnehmer fahren täglich zur Arbeit, tragen die Fahrtkosten aber nicht bewusst in der Steuererklärung ein oder prüfen sie nicht genau.

Relevant sein können:

  • Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte
  • Anzahl der Arbeitstage
  • einfache Entfernung, nicht Hin- und Rückweg
  • mögliche Besonderheiten bei mehreren Arbeitsorten

Auch wenn du nicht jeden Tag ins Büro fährst, kann sich die Angabe lohnen. Besonders bei längeren Strecken summiert sich das schnell.


3. Arbeitsmittel: Laptop, Werkzeug, Schreibtisch & Co.

Arbeitsmittel werden häufig vergessen, weil viele Anschaffungen privat und beruflich gemischt wirken. Trotzdem können beruflich genutzte Dinge steuerlich interessant sein.

Mögliche Arbeitsmittel:

  • Laptop
  • Monitor
  • Tastatur
  • Maus
  • Drucker
  • Papier und Toner
  • Bürostuhl
  • Schreibtisch
  • Werkzeug
  • Arbeitskleidung
  • Fachbücher
  • berufliche Software

Wichtig: Wenn etwas privat und beruflich genutzt wird, kann oft nur der berufliche Anteil angesetzt werden.


4. Homeoffice: Diese Punkte solltest du prüfen

Homeoffice ist für viele normal geworden. Trotzdem wird es steuerlich oft falsch eingeschätzt.

Prüfen solltest du:

  • Homeoffice-Pauschale
  • Bürostuhl und Schreibtisch
  • Drucker und Zubehör
  • Laptop und Software
  • Telefon und Internet anteilig
  • Arbeitszimmer nur bei bestimmten Voraussetzungen

Die Tagespauschale für Homeoffice beträgt laut Lohnsteuer-Hinweisen 6 Euro pro Tag, wenn die Voraussetzungen vorliegen.

Ein richtiges häusliches Arbeitszimmer ist strenger geregelt. Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können grundsätzlich nur unter bestimmten Voraussetzungen abgezogen werden, insbesondere wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit bildet.


5. Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen

Ein großer Punkt, den viele unterschätzen: Kosten rund um Haus, Wohnung und Haushalt.

Dazu können gehören:

  • Renovierung
  • Reparaturen im Haus
  • Schornsteinfeger
  • Gartenpflege
  • Reinigungskraft
  • Winterdienst
  • haushaltsnahe Dienstleistungen
  • bestimmte Handwerkerleistungen

Bei Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen ist besonders wichtig: Du brauchst in der Regel eine Rechnung und die Zahlung muss unbar erfolgen, also zum Beispiel per Überweisung. Barzahlung ist hier ein typischer Fehler.

Außerdem zählen häufig vor allem Arbeitskosten, Fahrtkosten und Maschinenkosten, nicht aber immer das Material.


6. Sonderausgaben nicht vergessen

Sonderausgaben sind private Ausgaben, die steuerlich besonders behandelt werden können.

Typische Sonderausgaben sind:

  • Spenden
  • Kirchensteuer
  • Kinderbetreuungskosten
  • Ausbildungskosten
  • Vorsorgeaufwendungen
  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung

Nicht jeder Punkt passt zu jedem Steuerfall. Aber gerade Versicherungsbeiträge, Spenden oder Kinderbetreuungskosten werden häufig nicht sauber geprüft.


7. Versicherungen prüfen

Viele Versicherungsbeiträge können steuerlich relevant sein. Dazu zählen vor allem bestimmte Vorsorgeaufwendungen.

Prüfen solltest du unter anderem:

  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Unfallversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Rentenversicherung
  • andere Vorsorgeaufwendungen

Die Basisabsicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung kann steuerlich besonders wichtig sein. Laut Einkommensteuer-Hinweisen werden Beiträge zur Basiskrankenversicherung und gesetzlichen Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen als Sonderausgaben berücksichtigt.


8. Krankheitskosten: Diese Ausgaben können relevant sein

Krankheitskosten können unter bestimmten Voraussetzungen als außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden. Dabei zählt aber nicht automatisch jeder Euro voll. Wichtig ist die sogenannte zumutbare Belastung. Außergewöhnliche Belastungen werden nur berücksichtigt, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen.

Mögliche Krankheitskosten:

  • Zahnarztkosten
  • Brille
  • Hörgeräte
  • Medikamente
  • Physiotherapie
  • Hilfsmittel
  • Fahrten zur Behandlung
  • Pflegekosten
  • bestimmte medizinische Eigenanteile

Wichtig: Erstattungen der Krankenkasse oder anderer Stellen müssen berücksichtigt werden. Es geht also in der Regel um Kosten, die du tatsächlich selbst getragen hast.


9. Kinderbetreuungskosten und Kosten für Familien

Eltern sollten bei der Steuererklärung besonders genau hinschauen. Viele Kosten rund um Kinder und Familie werden nicht vollständig geprüft.

Mögliche Punkte:

  • Kinderbetreuungskosten
  • Kita
  • Tagesmutter
  • Babysitter
  • Schulgeld
  • Unterhaltsleistungen
  • Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes
  • Alleinerziehenden-Entlastungsbetrag
  • Belege für Kinderkosten

Seit 2025 können nach Angaben der Finanzverwaltung 80 Prozent der Kinderbetreuungskosten berücksichtigt werden, höchstens jedoch 4.800 Euro je Kind.

Wichtig ist: Betreuung und Unterricht sind steuerlich nicht dasselbe. Reine Betreuungskosten sind anders zu behandeln als Nachhilfe, Musikunterricht oder Freizeitkurse.


10. Schulgeld prüfen

Schulgeld kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich relevant sein. Das betrifft vor allem anerkannte private Schulen oder Ersatzschulen.

Prüfen solltest du:

  • Welche Schule besucht das Kind?
  • Wird ein anerkannter Abschluss vorbereitet?
  • Welche Kosten sind wirklich Schulgeld?
  • Sind Verpflegung, Betreuung oder Unterkunft getrennt ausgewiesen?
  • Gibt es eine Bescheinigung der Schule?

Hier sollte man genau hinsehen, weil nicht jede Zahlung an eine Schule automatisch absetzbar ist.


11. Alleinerziehenden-Entlastung

Alleinerziehende sollten prüfen, ob sie steuerliche Entlastungen nutzen können.

Wichtig sind dabei unter anderem:

  • Kind lebt im Haushalt
  • Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag
  • keine weitere volljährige Person im Haushalt, die schädlich sein kann
  • richtige Steuerklasse
  • Anlage Kind korrekt ausfüllen

Gerade bei Trennung, neuer Partnerschaft oder Umzug kann sich steuerlich etwas ändern.


12. Belege: Diese Nachweise solltest du aufheben

Viele Steuerfehler entstehen nicht, weil Kosten nicht erlaubt wären, sondern weil Nachweise fehlen.

Diese Belege solltest du sammeln:

  • Rechnungen
  • Überweisungsnachweise
  • Kontoauszüge
  • Spendenquittungen
  • Versicherungsbescheinigungen
  • Fortbildungsnachweise
  • Fahrten- und Reisekostenaufstellungen
  • Kinderbetreuungskosten
  • Handwerkerrechnungen
  • Nachweise für Krankheitskosten

Gerade bei Handwerkerleistungen ist wichtig: Rechnung plus Überweisung. Bar bezahlt kann steuerlich zum Problem werden.


13. Typische Steuerfehler, die Geld kosten

Viele Steuererklärungen sind nicht komplett falsch, aber unvollständig. Genau das kostet oft Geld.

Typische Fehler:

Belege fehlen

Ohne Nachweis wird es schwer, bestimmte Kosten glaubhaft zu machen.

Fahrtkosten vergessen

Pendlerkosten summieren sich über das Jahr.

Kinderkosten nicht geprüft

Betreuungskosten, Schulgeld oder Versicherungsbeiträge werden oft übersehen.

Handwerker bar bezahlt

Bei Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen ist unbare Zahlung wichtig.

Arbeitsmittel nicht gesammelt

Laptop, Monitor, Drucker, Software oder Fachliteratur können beruflich relevant sein.

Homeoffice falsch eingeschätzt

Homeoffice-Pauschale und echtes Arbeitszimmer sind nicht dasselbe.

Sonderausgaben übersehen

Spenden, Kirchensteuer, Vorsorge und Kinderbetreuung können eine Rolle spielen.


14. Mehr Rückerstattung? Diese Liste hilft

Wenn du deine Steuererklärung vorbereitest, geh am besten systematisch vor.

Prüfe diese Bereiche:

  1. Werbungskosten
  2. Arbeitsmittel
  3. Fahrtkosten
  4. Homeoffice
  5. Sonderausgaben
  6. Versicherungen
  7. Kinderbetreuung
  8. Handwerkerleistungen
  9. Haushaltsnahe Dienstleistungen
  10. Krankheitskosten
  11. Belege
  12. Fristen
  13. vollständige Angaben

Diese Checkliste ersetzt keine Steuerberatung. Aber sie hilft dir, nichts Offensichtliches zu vergessen.


Praktische Checkliste: Was kann man von der Steuer absetzen?

BereichBeispieleWichtig
WerbungskostenFahrtkosten, Arbeitsmittel, Fortbildungberuflicher Zusammenhang
HomeofficeTagespauschale, Arbeitsmittel, SoftwareVoraussetzungen prüfen
HandwerkerRenovierung, Reparatur, SchornsteinfegerRechnung und Überweisung
HaushaltReinigung, Gartenpflege, Winterdiensthaushaltsnaher Bezug
SonderausgabenSpenden, Kirchensteuer, VorsorgeNachweise sammeln
KinderBetreuung, Schulgeld, VersicherungenAnlage Kind prüfen
GesundheitZahnarzt, Brille, Medikamente, Therapiezumutbare Belastung beachten
BelegeRechnungen, Quittungen, Kontoauszügesauber aufbewahren

Fazit: Viele Steuer-Vorteile werden nicht genutzt

Die Frage „Was kann man von der Steuer absetzen?“ ist wichtiger, als viele denken. Gerade kleine Ausgaben können sich über das Jahr summieren.

Besonders oft vergessen werden:

  • Werbungskosten
  • Homeoffice-Kosten
  • Arbeitsmittel
  • Handwerkerleistungen
  • haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Versicherungen
  • Kinderbetreuungskosten
  • Krankheitskosten
  • Sonderausgaben
  • Belege und Nachweise

Mein Tipp: Sammle deine Unterlagen nicht erst kurz vor Abgabe der Steuererklärung. Lege dir einen einfachen Ordner an – digital oder auf Papier – und sortiere Belege direkt nach Bereichen.

So wird die Steuererklärung nicht nur einfacher, sondern oft auch vollständiger.


Hinweis

Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierung und keine Steuerberatung. Steuerliche Regeln können sich ändern und hängen immer vom Einzelfall ab. Bei Unsicherheit solltest du einen Steuerberater, Lohnsteuerhilfeverein oder die zuständige Finanzverwaltung fragen.

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